Soforterkennung akuter innerer Blutungen.

Hintergrund

Akute Blutungen des Verdauungstrakts sind ein ernstes medizinisches Problem mit hoher klinischer und sozio-ökonomischer Relevanz. Gastrointestinale Blutungen sind die häufigsten gastroenterologischen Notfälle mit einer Häufigkeit von 15 bis 150 pro 100.000 Einwohner und Jahr [Silverstein FE, et al., Arch Intern Med 1981]. Die zwei häufigsten Ursachen gastrointestinaler Blutungen stellen dabei das Magengeschwür mit rund 59% und Varizen des oberen Verdauungstraktes mit 10% aller Fälle dar. Beide Krankheitsbilder zeichnen sich durch eine hohe Letalität sowie eine hohe Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens der Blutung nach endoskopischer Behandlung aus. Das erneute Auftreten einer behandelten Blutung geht mit einer hohen Sterblichkeit von 7-10% beim Magengeschwür und bis zu 30% bei Varizen einher [Krige JEJ, et al., World J Surg 2005]. Akute Blutungen im Verdauungstrakt werden heute anhand ihrer klinischen Symptomatik wie blutiges Erbrechen, Teerstuhl oder Zeichen von Blutarmut diagnostiziert. Diese Symptome treten häufig erst mit zeitlicher Verzögerung auf.

Das Team der novineon technologies hat eine neuartige Sensortechnologie entwickelt, mit der Blutungen innerhalb des Verdauungstrakts unmittelbar detektiert werden können. Diese Sensortechnologie wurde in ein telemetrisches Implantat integriert, dass sich im Verdauungstrakt verankern lässt. Mit dieser Entwicklung beabsichtigt die novineon technologies, durch die Möglichkeit der Soforterkennung akuter Blutungen den Behandlungspfad von Risikopatienten positiv zu beeinflussen. Beim Auftreten einer Blutung übermittelt das Implantat über eine telemetrische Verbindung ein Warnsignal an Patienten oder Pflegepersonal und ermöglicht so die unmittelbare Einleitung weiterer diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen.

Anwendungsszenario

Das zentrale Anwendungsszenario des Implantats zur Blutungsdetektion ist die Überwachung von Patienten, die ein erhöhtes Blutungsrisiko haben. Dies können Patienten mit blutendem Magengeschwür oder Speiseröhrenvarizen sein, die nach einer endoskopischen Behandlung ein drastisch erhöhtes Auftreten einer akuten Blutung mit sich bringen (Kurzzeitanwendung). Des weiteren können Patienten überwacht werden, bei denen aufgrund einer medikamentösen Behandlung mit Gerinnungshemmern das Blutungsrisiko erhöht ist (Langzeitüberwachung).

Anwendung des Implantats zur Blutungsdetektion

Das Implantat zur Blutungsdetektion kann im Rahmen einer endoskopischen Behandlung einer blutenden Läsion im Verdauungstrakt platziert werden. Zu diesem Zweck umfasst das System spezielles endoskopisches Instrumentarium, das eine einfache und sichere Einführung des Implantats in den Patienten ermöglicht. Das Implantat wird mit einem endoskopischen NiTinol-Clip (OTSC® System, Ovesco Endoscopy AG) an der Wand des Verdauungstrakts verankert. Nach der Implantierung überwacht der Sensor den Inhalt des Verdauungstrakts kontinuierlich hinsichtlich der Präsenz von Blut.

Nach der Behandlung einer akuten Blutung, z.B. als Komplikation bei Magengeschwüren oder gastroösophagealen Varizen, beträgt der Überwachungszeitraum etwa 3 bis 4 Tage. Wird Blut detektiert, wird unmittelbar ein Alarmsignal an einen extrakorporalen Empfänger gesendet und der Patient und das betreuende Krankenhauspersonal informiert. Mit diesem Früherkennungssystem kann der Patient einer endoskopischen Kontrolle zugeführt werden, selbst bevor die klinischen Symptome des Blutverlustes evident sind.

Prototyp des Implantats zur Blutungsdetektion

Prototypen des Implantats zur Blutungserkennung enthalten neben dem neuartigen Sensor zur Blutungserkennung Batterien zur Energieversorgung, eine Transmittereinheit. Das Implantat ist vollständig in biokompatiblem Kunststoff vergossen. Mit seiner Länge von 25 mm und einem Durchmesser von 5,4 mm ist es möglich, den kompletten Sensor während der Applikation im 6 mm Arbeitskanal eines flexiblen Endoskops zu transportieren.

Die novineon technologies verfolgt das Ziel, dieses neuartige Implantat für den klinischen Einsatz nutzbar zu machen. Wir erwarten, dadurch den Behandlungspfad von Patienten mit gastrointestinalen Blutungen positiv zu beeinflussen.